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Datum: 13.05.2019

Oracle Lizenzrisiko - Episode 2: VirtualBox Extension Pack kostenpflichtig? Jein! Nachdem nun die Oracle-Java-Lizenzierung hinreichend oft für Verwirrung gesorgt hat, kommt die nächste Meldung: Oracle verfolgt jetzt die Einhaltung der Lizenzbedingungen für "Virtualbox Extension Pack" (das Basispaket inkl. "Guest Additions" ist nach GPLv2 weiterhin frei).

Der Einsatz dieses Packs (unter "educational use") ist an der Universität kostenfrei nur in der Lehre erlaubt und nur dann, wenn die Nutzung im "Curriculum verankert" ist. Entweder beschreibt man - z.B. in der Modulbeschreibung - den Einsatz von Virtualbox oder man muss z.B. Aufgabenblätter vorweisen können, wo Virtual-Box explizit erwähnt ist. Und dann - und nur dann - darf man diese Virtualbox-Erweiterung an der Universität in der Lehre kostenfrei verwenden.

Das Paket enthält z.B. die Unterstützung von USB 2.0/USB 3.0, VirtualBox RDP, Plattenverschlüsselung, NVMe und PXE-boot für Intel Karten (vgl. https://www.virtualbox.org/wiki/Downloads).

Die Nutzungsbedingungen finden sich in der "VirtualBox Extension Pack PUEL" (PUEL = "Personal Use and Evaluation License", Hervorhebungen durch den Autor dieses Artikels):

"§ 2 Grant of license

Oracle grants you a personal, non-exclusive, non-transferable, limited license without fees ... for your Personal Use, Educational Use, or Evaluation.

“Personal Use” is noncommercial use solely by the person downloading the Product from Oracle on a single Host Computer, ... “Educational Use” is any use by teachers or students in an academic institution (schools, colleges and universities) as part of the institution’s educational curriculum. “Evaluation” means testing the Product for up to thirty (30) days; after expiry of that term, you are no longer permitted to use the Product. Personal Use and/or Educational Use expressly exclude any use of the Product for commercial purposes or to operate, run, or act on behalf of or for the benefit of a business, organization, governmental organization, or educational institution."
(Aus: https://www.virtualbox.org/wiki/VirtualBox_PUEL, "License version 10, 20 July 2017", kopiert am 13.5.2019)

Weitere Erläuterungen zu den Lizenzbedingungen zum VirtualBox Extension Pack findet man unter https://www.virtualbox.org/wiki/Licensing_FAQ. Dort findet man auch den Hinweis, dass die "VirtualBox Guest Additions" weiterhin unter GPLv2 frei sind, da sie als Teil des VirtualBox Basispakets gelten. Es geht also wirklich nur um die VirtualBox Extension Packs!

Was ist "Personal Use"?

"Educational Use" ist oben beschrieben. Wann aber gilt die "Personal Use"-Lizenz? Bei dieser Frage ist wichtig, welchen Status eine Person an der Universität hat (Studierende auf eigenen Geräten (!) gelten als "Privatpersonen" an der Universität, alle Mitarbeiter (auch Wissenschaftler in ihrer dienstlichen Tätigkeit an der und für die Uni) gelten keinesfalls als Privatpersonen - auch nicht bei "bring your own device"-Lösungen (die im Bezug auf das Lizenzrecht  - nicht nur, aber auch - besondere (Lizenz-Vertragliche-) Regelungen erfordern. Es gilt immer: Was nicht expizit erlaubt ist, ist verboten!).

Unabhängig von dieser Aussage gilt: "Personal Use" bezieht sich in der gängigen Interpretation darauf, dass der "Host Computer" im EIGENTUM der (namentlich bekannten, natürlichen) Person steht und (nur) für private Zwecke eingesetzt wird.

Unterscheiden Sie bitte "Eigentum" und "Besitz", d.h. ein Rechner, bezahlt aus Mitteln der Universität Bonn oder Projektmitteln (Eigentum), der einer Person "zur Nutzung überlassen" wird (Besitz), gehört weiterhin der Universität bzw. dem Geldgeber und "personal use" ist ausgeschlossen.

Wird dieser Rechner der Person geschenkt ("Wechsel des Eigentümers") muss das formell dokumentiert sein UND dieses Geschenk muss - z.B. bei Gehaltsempfängern - steuerlich als "geldwerter Vorteil" berücksichtigt werden. Dann ist es ein privates Gerät und läuft unter "personal use".
Dann darf die Software in der Regel aber nicht "im Namen oder zum Nutzen der Universität" verwendet werden. Nach Oracle sind Universitäten "kommerziellen Unternehmen gleichgestellt". Auf solchen privaten Geräten darf im Gegenzug in der Regel auch keine Software aus den Lizenz-Verträgen der Universität verwendet werden (außer, die Verträge erlauben explizit die Nutzung auf privaten Geräten). Als "Arbeitsplatz" (auch als "Heimarbeitsplatz") fallen solche Geräte fast in allen Fällen aus.

Richtig kompliziert wird es, wenn man sich die Kosten geteilt hat. Dann ist oft die Frage, wem das Gerät zu "MEHR als 50%" gehört - der gilt dann als "Haupteigentümer" - mit allen oben aufgeführten Konsequenzen: Wurden die Kosten gleich geteilt (50% Uni / 50% Privat), gehört das Gerät keinem so richtig. Das wird in der Regel als "Ausschlusskriterium" gesehen. D.h. fast alle Softwareverträge verbieten die Nutzung von Uni-Software auf Geräten im gleichrangigen Teileigentum. Gleichzeitig ist eine "private Nutzung" auch nicht so richtig begründet. Falls Sie ein Teileigentum einrichten, sollte das zu mindestens 51/49 erfolgen und formell dokumentiert sein (Vertrag).Vielleicht regeln Sie bei dieser Gelegenheit auch die Frage, wer zu welchem Anteil die Kosten einer Reparatur übernimmt. :-)

Das Thema rund um VirtualBox kam in der letzten Woche besonders deshalb auf, weil Oracle offenbar bei der Installation des VirtualBox Extension Packs die IP-Adresse des Rechners speichert und derzeit auf Universitäten zugeht, um eine korrekte Lizenzierung (zu einem hohen Preis) "anzubieten", um Lizenzprobleme zu vermeiden. Der Nachweis der Gültigkeit der Lizenzen liegt dabei in erster Linie bei demjenigen, der das Produkt installiert hat bzw. dem Lizenzverantwortlichen des Eigentümers.

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