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Datum: 19.04.2017

Update: Das neue Windows 10 "Creators" Update - besser nicht! Das neue Windows-Update beschert - falls es denn überhaupt funktioniert - so einige Probleme, die noch nicht lösbar sind (siehe MAPI-Warnung).

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Das neue Windows 10 "Creators" Update ist seit dem 11.4.2017 freigegeben. Die ersten Rechner werden voll automatisch über das Windows Update umgerüstet, bei den meisten anderen Rechnern wird die automatische Umstellung noch eine Weile dauern. Man könnte zwar auch "von Hand" die neue Version anfordern, aber davon raten wir derzeit ab. Nach dem momentanen Stand häufen sich die Fehlermeldungen - gerade auch in unserer Arbeitsumgebung.

Falls Sie nach dem Update merken, dass es zu viele Probleme in Ihrer Arbeit gibt, können Sie unter "Einstellungen >>Updates und Sicherheit >>Wiederherstellen" für 10 Tage nach dem Update den Punkt "zur vorherigen Version von Windows 10 zurückkehren" auswählen.

Windows Update verzögern

Das neue, große Windows Feature-Update (so nennt MS seine großen Versionsupdates, früher auch Upgrades genannt, bei denen die "Zahl" hochgezählt wurde) bringt wieder viele Veränderungen, die vielleicht nur wenige von uns benötigen, bei denen wir aber keine Wahl haben: Im Laufe der Zeit werden alle Window-10-Computer mit diesem Update ausgestattet werden. DAS können wir nicht verhindern. Aber:

  1. Solange Ihnen das Update nicht "zwangsweise" angeboten wird, sollten Sie einfach noch abwarten. Es zwingt uns niemand, das Update frühzeitig zu installieren.
  2. Falls der Rechner das Update "von sich aus" installieren will, können Sie sagen "jetzt nicht". Eine Zeit lang geht das.
  3. Um das Zwangsupdate generell zu verzögern, können Sie bei Windows 10 Professional, Enterprise oder Education unter "Windows-Einstellungen >>Updates und Sicherheit >>Erweiterte Optionen" die "Feature-Updates" zurückstellen. Dann kommen die "großen Updates" erst später - aber sie kommen irgendwann.
Nachdem das Windows-"Creators"-Update (1703) installiert wurde, werden übrigens die Begriffe verändert. Nun kann man - aber nur in den Versionen Professional oder Enterprise/Education, in den "Erweiterten Optionen" der "Update und Sicherheit"-Ebene den "Installationszeitpunkt" auswählen. Dabei bedeutet "Current Branch for Business" nichts anderes als "die Updates werden um bis zu 4 Monate verzögert eingespielt". Voreinstellung ist "Current Branch" (also nach Freigabe durch den Hersteller installieren, was manchmal "sofort" heißen kann). Man kann die Installation der Feature-Updates auch in der Einheit von Tagen weiter verzögern. Irgendwann aber endet die Aufschubfrist...

Wie gehe ich vor, bevor das Update kommt

Die Installation eines großen Feature-Updates erfordert immer einige Besonderheiten, auf die man sein System vorbereiten muss. Dazu gehört - wie immer - zunächst ein Blick auf die Datensicherung. Habe ich alle meine Daten gut gesichert? Gibt es auch von meinen gekauften Programmen eine Sicherung (inkl. Seriennummern) so, dass ich sie jederzeit neu installieren könnte? Welche Einstellungen muss ich zusätzlich noch gesichert haben (z.B: Browser-Lesezeichen, DRM-geschützte Daten, Anmeldeinformationen für Online-Dienste - die sollte man heute ohnehin in einem Passwortmanager wie Keepass o.ä. verschlüsselt verwalten, u.v.m.)

Wenn man sicher ist, dass man "mit einem Systemabsturz nur Zeit, aber keine wichtigen Daten verlieren" wird, sollten die Anwendungen auf den aktuellen Stand gebrancht werden. Dabei kann man deinstallieren, was schon lange nicht mehr benötigt wird und andere Programme auf den aktuellen Stand bringen.

Hindernisse

Während eines Feature-Updates gibt es einige kritische Programme, die die Installation verhindern können. Dazu gehören alle Programme, die tief ins System greifen - im Regelfall Antivirus- oder VPN-Anwendungen. Auch Programme zur Verschlüsselung von Laufwerken oder Treiber für ältere Hardware können den ganzen Update-Prozess gefährden.

Häufig - aber nicht immer - weist das Update-Programm auf diese Probleme hin. So muss z.B. in der Regel die Antivirus-Software und Cisco-Anyconnect deinstalliert werden, bevor das Update durchgeführt wird. Im Internet findet man auch häufig den Tipp, dass man "alle externen Geräte abstöpseln soll" bevor man den Rechner startet, wenn man das Update durchführen möchte - der Hintergrund: Solche Geräte werden dann nicht aktiv und die (möglicherweise veralteten) Treiber blockieren den Update-Prozess nicht. Wir haben jetzt schon mehrere Rechner, die nicht direkt auf "Creators Update" umgestellt werden konnten, über die Deinstallation und Deaktivierung solcher Programme letztlich umstellen können. Bis man soweit ist, hat man leider so einige fehlgeschlagenenen Versuche hinter sich und wieder einige Stunden verloren.

Anschließend kann/muss man dann - falls weiter benötigt - die vorher gelöschten Programme wieder einspielen (Antivirus-, VPN-Software, etc.)

Es gab z.B. vor Kurzem von der Fa. McAfee den "Patch 9" für das Produkt McAfee Virusscan Enterprise, der auf das Windows 10 "Creators" Update vorbereitet ist und auf unserer Webseite zum Download bereit steht. Auf manchen Rechnern ging mit dieser Version sogar das direkte Update - auf anderen musste man diese Version trotzdem nachträglich wieder neu installieren, aber dann lief sie stabil.

Probleme wie den fehlenden Zugriff auf unseren Mailserver über MAPI/Outlook oder die neueste Meldung, dass mit dem "Creators-Update" plötzlich der Zugang zu eduroam nicht mehr funktioniert (es gibt Probleme mit dem EAP-TTLS von eduroam), sind noch nicht gelöst.

Und ganz am Ende

NACH dem Feature-Update muss man wissen, dass MS wieder einmal einige wesentliche Voreinstellungen zurückgesetzt hat. Heise hat veröffentlicht, dass im automatischen Windows-Update-Prozess besondere Einstellungen zum Datenschutz abgefragt werden. Bei der Installation des Updates "von Hand" erfolgt das aber definitiv nur im üblichen Rahmen: so wird man zwar gefragt, welche Datenschutzoptionen man aktivieren will (ich schalte immer alle ab!) oder ob man Cortana einsetzen will (bitte nicht, weil die Spracherkennung aller Kommandos auf Cloud-Servern im Ausland erfolgt), aber letztlich bleibt uns aber die Ungewissheit, ob nicht doch im Hintergrund - ungefragt - z.B. die Telemetrie (übermittlung von Statistik- und Nutzungsdaten) wieder eingeschaltet wurde. Eine Kontrolle ist also unbedingt empfehlenswert!

Das wir an der Universität Bonn unsere Rechner nicht mit Microsoft-Konten betreiben und somit auf die Übermittlung von vielen Daten an die Cloud von Microsoft - und als Folge davon auch auf viele (für uns nicht erforderliche?) technische Neuerungen verzichten, muss wohl nicht betont werden.

(Datenschutz-) Einstellungen kontrollieren

Sie können natürlich in den Tiefen der Windows-Einstellungen bei JEDEM Nutzer die angezeigten Wahlmöglichkeiten kontrollieren, aber auch damit werden Sie kaum alles abschalten, was Sie abschalten möchten.

Für solche Aufgaben gibt es einige wenige Tools, deren Einsatz zwar im Regelfall gut funktioniert, in Einzelfällen aber auch mit Vorsicht zu genießen ist, weil diese Tools manche Dinge so umstellen, dass man sie nicht "schnell zurückstellen kann" - dann hilft u.U. nur ein ein "Refresh" und das erneute Installieren des Rechners. Dennoch, wenn man vorsichtig ist und verstanden hat, wie die Tools funktionieren und welche Eigenschaften damit kontrolliert werden, kann man damit wirklich gut arbeiten.

Richten Sie z.B. NACH dem Feature-Update bei JEDEM Nutzer mit Hilfe von Tools, wie z.B. dem "Shutup 10" von O&O eine gesicherte Umgebung ein. Überlegen Sie dabei gut, welche Dienste Sie abschalten wollen (auf "grün" = "gesichert" setzen) und welche Sie benötigen ("rot" lassen = Voreinstellung von Microsoft beibehalten).

Auf jeden Fall lassen Sie bitte die verschiedenen Updates weiter aktiv - aus Sicherheitsgründen - Feature Updates sind das eine, Sicherheitsupdates sollten auf jeden Fall ins System kommen können. (Abschnitt Windows Update: Nur die Peer-to-Peer-Dienste deaktivieren).

Bei anderen angebotenen Bereichen ist jeweils zu überlegen, ob man diese benötigt - auf stationären Arbeitsplätzen in der Uni in der Regel häufig nicht. Wenn Sie ein Antivirus-Produkt von Drittherstellern installieren, benötigen Sie auch den Windows-Defender nicht, ich lasse ihn trotzdem aktiv. Speichersysteme wie "Onedrive" sind ohnehin an der Universität nicht geeignet und können i.d.R. abgeschaltet werden. Onedrive-Dateien lagern im Ausland und werden von Microsoft AKTIV nach Inhalten durchsucht. Auch "Privacy Shield" wird von vielen Datenschützern nicht für hinreichend gehalten, so dass eine Datenspeicherung in diesen, wie auch konkurrierenden Systemen nicht erfolgen soll.

Auf mobilen Systemen sind andere Punkte im Tool "Shutup 10" vielleicht weiterhin sinnvoll - aber sicher viel weniger als von Microsoft als "aktiv" (="rot") eingerichtet. Hier könnte es sinnvoll sein, zusätzlich den App-Zugriff auf einzelne Bereiche zu erlauben (falls man entsprechende Apps nutzen möchte), das Speichern von Medienlizenzen zuzulassen (wenn man dies denn benötigt) oder Sensoren für die Ortung (Position kann festgestellt werden) und Lage (Bildschirm wird angepasst, wenn man das Gerät dreht) aktiv zu halten. Falls das Gerät z.B. für Navigation eingesetzt werden soll, sind auch die weiteren Einstellungen zur Ortung vermutlich weiterhin zu erlauben.

Die Pflege eines Windows-10-Systems VOR UND NACH einem großen Update ist unbedingt empfehlenswert und kostet Zeit. Das Update selbst ist ebenfalls nicht unkritisch und benötigt häufig bis zu 90 Minuten. Und nach der Umstellung können (derzeit noch?) erhebliche Funktionsstörungen auftreten. Auf der anderen Seite können wir - auf Dauer - die Installation dieser Feature-Updates nicht verhindern.

Planen Sie also die grundsätzlichen und besonderen Wartungsaufgaben (inkl. Datensicherung) in Ihren Zeitplan ein, bevor Sie das Zwangsupdate einspielen (müssen). Und wo möglich, warten Sie noch einige Zeit mit dem großen "Creators" Update - das leider nicht nur Freude, sondern derzeit häufig Trübsal "erschafft".

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