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Windows 10 - wenn's sein muss...

Stand: (27.1.2016)

In mehreren Artikeln haben wir bisher ablehnend über Windows 10 berichtet. Es ist nun an der Zeit zu fragen, ob Windows 10 mittlerweile „uni-fähig“ geworden ist.

Ja, unter ganz besonderen (Installations-)Bedingungen kann man heute mit Windows 10 arbeiten.

Aber man muss nicht: es gibt nur wenige Fälle, in denen Windows 10 an der Universität echte technologische Vorteile bringt. Sie können also noch einige Jahre bei Windows 7 oder 8.1 bleiben, außer 

  • PCs mit aktivem (= genutztem) OEM/SB-Windows 7/8.1 ("Basisbetriebssystem") sollten, wenn die Rechner noch mehrere Jahre eingesetzt werden sollen, (siehe Nachtrag) vermutlich doch vor dem 29.7.2016 umgerüstet werden, damit die Option auf „Windows 10 kostenlos“ erhalten bleibt. Hierbei wird immer die Edition (Home Premium oder Prof.) eingespielt, die auch auf dem Rechner installiert ist. Die über den Softwareshop gekauften Versionen (aus dem Select-Programm) sind nicht kostenlos upgradefähig.
    • Nachtrag: Wenn der Rechner schon einige Jahre hinter sich hat und die erwartete Standzeit nur noch gering (1-2 Jahre) ist, lohnt sich der Aufwand das kostenlose Upgrade durchzuführen vermutlich nicht. Dann arbeiten Sie die nächsten Jahre noch mit dem alten System und kaufen dann mit den Nachfolgegeräten die jeweils aktuelle Windows-Lizenz neu. Dann müssen Sie ohnehin alles neu einrichten - bitte dann auch die Infos unten unter "Und jetzt auf jeden Fall..." (und den Artikel zum Thema "Backup - aber richtig") beachten!
    • FALLS es "passiert", dass Sie umstellen, ohne es "eigentlich geplant" zu haben - MS kann sehr aggresiv sein, die Umstellung des Systems zu "empfehlen" - ist das nicht weiter schlimm (wenn es, wie in den meisten Fällen) funktioniert hat. Auch hier gilt: Dann bitte unbedingt die Infos unten unter "Und jetzt auf jeden Fall..." beachten! Sie müssen nicht das alte System wiederherstellen - man kann wirklich auch mit Windows 10 arbeiten... :-)
  • Neue PCs, die mit einem Windows 10 gekauft wurden, müssen nicht – ja dürfen oft nicht – auf ein älteres System uminstalliert werden, d.h. man kann/muss damit Windows 10 nutzen. Aber die Sicherheits- und Datenschutzeinstellungen sollten unbedingt überprüft werden (s.u. "Und jetzt auf jeden Fall...").
    • Anmerkung: Falls ein neuer Rechner noch mit „Windows 7/8/8.1“ verkauft wird, handelt es sich hoffentlich um eine Windows 10 Pro-Lizenz mit Downgraderecht. Dann lassen Sie sich die konkrete Lizenz (z.B. „Windows 10 Professional 64 Bit“) und das Downgraderecht schriftlich bestätigen (sollte auf der Rechnung stehen) und den Datenträger für Windows 10 mit Aktivierungscode mitgeben. Das Windows 10 COA-Label (der "Aufkleber mit Aktivierungskey") sollte auf dem Rechner kleben oder Ihnen zusammen mit dem Rechner übergeben werden. 

Für alle anderen Systeme (die kein kostenloses Upgrade ermöglichen) möchte ich Ihnen weiterhin zurufen: "Hände weg von Windows 10" – außer, es gibt wirklich gute Gründe für die nicht unerhebliche Investition.

Der Tipp, dass man im "Gebrauchtmarkt" ein altes Windows 7 oder 8.1 kaufen kann, um damit ein kostenloses Upgrade zu erhalten ist kritisch zu bewerten. Häufig erhält man darüber keine gültigen Lizenzen. Für Microsoft ist das COA-Label der eigentliche Lizenznachweis. Der Kauf von "funktionierenden Lizenzkeys" reicht nicht aus (damit klappt vielleicht die Aktivierung, aber das ist keine Lizenz!). Auch bei sogenannten "Refurbished" Lizenzen ist Vorsicht angeraten. Nur wenn Sie eine aussagekräftige Rechnung bekommen UND das COA-Label UND einen passenden Datenträger, dürfte das bei einer Lizenzüberprüfung ausreichen. Und selbst da ist man vor Fälschungen nicht sicher.

Probleme gibt es weiterhin…

Trotz der hier beschriebenen "Sinneswandlung" gelten die grundlegenden Artikel, die wir in den letzten Monaten veröffentlicht haben, prinzipiell weiterhin. Vielleicht werfen Sie einen Blick in …

Aber zurück zum Datenschutz:

Microsoft sammelt – insbesondere mit den Windows 10 Home und Professional-Versionen – nach wie vor viele Daten – auch dann, wenn die Sammelwut eigentlich abgeschaltet ist. Der Spitzname „Datenkrake“ ist korrekt. Dennoch handelt es sich nach aktueller Bewertung nicht um „Datenschutzvergehen“, denn die meisten Datensammlungen sind wohldokumentiert (http://windows.microsoft.com/de-de/windows-10/windows-privacy-faq bzw. https://www.microsoft.com/de-de/privacystatement/default.aspx) und wir als Nutzer stimmen dem explizit zu, wenn wir Windows nutzen. Microsoft setzt dabei, leider völlig rechtskonform, auf das sogenannte „opt-out“-Verfahren. Dabei muss man „Nein“ sagen, wenn man etwas NICHT möchte. Alle Datenschützer favorisieren zwar ein „opt-in“-Verfahren, aber rechtlich ist beides zulässig.

Und das wird auch (inhaltlich) begründet: Aus dem „Privacystatment“ (das will ich Ihnen nicht vorenthalten):

"Windows-10 ("Windows") ist eine personalisierte IT-Umgebung, die Sie zu einem nahtlosen Roaming und Zugang zu Diensten, Vorlieben und Inhalten über alle Ihre IT-Geräte hinweg befähigt; von Telefonen über Tablets bis hin zu Surface-Hubs. Anstatt als statisches Software-Programm auf Ihrem Gerät installiert, basieren die Schlüsselkomponenten von Windows auf Cloud und beide, sowohl Cloud als auch lokale Elemente von Windows werden regelmäßig aktualisiert, um Ihnen die neuesten Verbesserungen und Features zu bieten. Um dieses Computer-Erlebnis anzubieten, erheben wir Daten über Sie, Ihr Gerät und wie Sie Windows verwenden. Und weil Windows für Sie personalisiert ist, geben wir Ihnen die Wahlmöglichkeiten darüber, welche persönlichen Daten wir erheben und wie wir diese verwenden."

Was die meisten nicht beachten: im Rahmen der dienstlichen Nutzung ist uns häufig verboten, diese Zustimmung zu erteilen. Denn die Daten, die wir hier u.U. preisgeben, gehören häufig nicht uns, sondern der Universität/unseren Auftraggebern: Was wir privat tun, ist unsere Sache, nicht aber, was wir auf Rechnern der Universität tun!

Tipps zur Installation

Wie bei jeder Systeminstallation gehören eine vernünftige Datensicherung (der persönlichen Dateien, aber auch wichtiger Favoriten im Browser, Voreinstellungen, DRM-Informationen, Zertifikate, etc.) und eine Auflistung wichtiger Lizenzschlüssel und Zugangsdaten (gerade auch zu externen Diensten) zu den vorbereitenden Maßnahmen.

Dann müssen Sie klären, ob Windows 10 auf Ihrem System überhaupt läuft und besorgen sich die nötigen Hardwaretreiber.

Dann können Sie Windows so installieren, wie Sie es gewohnt sind. Es gibt die komplette Neuinstallation oder das sogenannte "inplace-Upgrade" (d.h. das überspielen eines vorhandenen Windows).  Beachten Sie bitte, dass bei einem "inplace-Upgrade"zunächst "kritische Software" deinstalliert werden sollte. Dazu gehören unbedingt die Antivirus-Produkte und eine VPN-Software (dazu gab es früher von uns entsprechende Meldungen, dass das Upgrade nicht funktioniert, wenn solche Software im System installiert ist!). In anderen Fällen deinstalliert das Setup von Windows 10 automatisch die ein oder andere Software, daher sollten Sie besondere Lizenzinformationen von Produkten vorher sichern.

Wenn alles vorbereitet ist, können Sie Windows 10 installieren

  • Bitte immer "Benutzerdefiniert" und niemals (!) "Express-Einstellungen" nutzen - da wird alles geöffnet, was das System hergibt...
  • Installation immer ohne "MS-Konto" (also nur mit lokalen Konten arbeiten)
    • Anmerkung: Die "normalen" Cloud-Dienste von Microsoft weisen in der Regel auf Dienste, die man im Umfeld der Universität nicht einsetzen darf, da die datenschutzrechtlichen Belange und die Belange schützenswürdiger Daten der Universität sonst nicht berücksichtigt sind.
    • Das ist manchmal schwer zu finden: Beim Einrichten sagen "ich kenne die Anmeldeinformationen nicht", auf der nächsten Seite kein neues MS-Konto registrieren, sondern unten (klein geschrieben) den Punkt "lokales Konto" auswählen.
  • Alle sicherheits-/datenschutzrelevanten Einstellungen (d.h. also in der Regel ALLE Schalter) ausschalten

Danach haben Sie das Grundsystem eingerichtet.

Als nächsten Schritt führen Sie die erforderlichen Updates durch, schauen - wie immer - ob Ihre Hardware erkannt wurde und die richtigen Treiber installiert sind. So "runden" Sie das System ab.

Eine aktuelle Antivirus-Lösung können Sie nun wieder einspielen - die gehört immer zum System dazu, auch wenn die mitgelieferte Version (des Windows Defender) besser geworden ist. Wir im HRZ setzen nach wie vor auf Zusatzsoftware.

Und jetzt auf jeden Fall ...

Anschließend richten Sie bei JEDEM Nutzer mit Hilfe von Tools, wie z.B. dem "Shutup 10" von O&O eine gesicherte Umgebung ein. Diesen Vorgang sollten Sie gelegentlich (1 x im Jahr oder nach großen "Technical Updates" (denen, die früher als "Service Pack" oder neues Windows auf den Markt kamen) mit der dann aktuellen Version von Shutup 10" durchführen... bei jedem Benutzer.

Das Tool von O&O gefällt mir deshalb gut, weil es intuitiv sagt: "Wenn der Schalter auf "grün" steht, ist der Dienst gesichert": Empfohlen: Alles abschalten, was Sie nicht unbedingt benötigen. Beim Einfachklick auf eine Zeile zeigt Ihnen das Programm eine Erklärung, die bei der Entscheidung hilft.

Auf meinem Rechner (Windows 10 Prof.) laufen nur folgende Dienste (d.h. nur hier findet sich ein "ROTER Schalter")

Im Bereich "Privatsphäre"

  • Zugriff auf Sprachliste des Browsers deaktivieren (viele Leute sagen, dass das auch nicht erforderlich sei)

und im Bereich "Windows Update"

  • Aufschieben von Upgrades aktivieren (kann man einschalten, dann kommen die Technical Updates etwas verzögert auf den Rechner. Sicherheitsupdates kommen immer ganz schnell).
  • Automatische Treiberupgrades durch Windows-Update deaktivieren
  • Automatische App-Updates durch Windows-Update deaktivieren
  • Automatische Windows-Updates deaktivieren (1 von 2)
  • Automatische Windows-Updates deaktivieren (2 von 2)
  • Windows Updates für andere Produkte (bspw. Microsoft Office) deaktivieren (diese Updates will ich auf meinem Rechner ebenfalls haben - also nicht deaktivieren)

Alle anderen Dienste sind - bei mir - "gesichert" (d.h. "grün"). Diese o.g. Dienste benötigt das System, um auf dem Laufenden zu bleiben. Leider ist diese Liste bei Veränderungen des Produktes Shutup10 immer mal wieder anders oder auch anders bezeichnet worden. Passen Sie das System nach IHREM Bedarf an!

Beachten Sie bitte, dass das hier ein ganz persönliches Beispiel ist, bei dem auch eine eigene Antivirus (AV)-Software im System installiert wurde (so dass ich auf den Windows Defender verzichten kann - wenn Sie kein eigenes AV-Programm haben, sollte er Defender aber im System aktiv bleiben!).

Wenn Sie es sich "einfach" machen möchten:

  • Klicken Sie auf "Aktionen" und dann "Systemwiederherstellungspunkt erzeugen"
  • danach wählen Sie, wenn Sie die meisten Dinge ohnehin nicht benötigen, "Alle empfohlenen und eingeschränkt empfohlenen Einstellungen" und testen, ob noch alles läuft, was Sie benötigen.
    • Weniger Mutige können auch schon mit "Alle empfohlenen Einstellungen anwenden" ein gewisses Maß an Sicherheit erzeugen. Zusätzlich können Sie dann einzelne Optionen abschalten.

Sie sollten aber mit diesem oder einem anderen Tool auf jeden Fall die Voreinstellungen des Systems überschreiben, denn die sind denkbar ungeeignet für uns. Sie können auch die Einstellungen exportieren, um sie dann bei anderen Benutzern schnell nachtragen zu können.

Darüber hinaus gibt es in den verschiedenen Bereichen (z.B. "Start -> Einstellungen -> Datenschutz bzw. auch bei Update und Sicherheit) einige interessante Anpassungen, für die Sie aber u.U. mehr über die Dienste verstehen müssen.

Regelmäßige Wartung ...

Leider hat Microsoft mit dem letzten großen Update (1511 : November 2015) viele der vorher eingestellten Änderungen rückgängig gemacht. Daher muss man immer mal wieder (z.B. nach größeren Updates) bei JEDEM NUTZER die Einstellungen mittels Shutup 10 kontrollieren. Vorher lädt man idealerweise die aktuelle Version herunter, denn auch O&O ändert immer wieder sein Tool und stellt sich neuen Herausforderungen. Diese Aufgabe kommt also zu den regelmäßigen Wartungsaufgaben (neben Datensicherung, Systemüberprüfung, Updates von Anwendungen, etc.) hinzu.

Wenn Sie unsere Tipps beherzigen, werden auch Sie die größten Untiefen auf der Fahrt mit Ihrem Windows 10 umschiffen. Natürlich ersetzt dieser Artikel nicht die kritische Auseinandersetzung mit den entsprechenden Technologien, aber wir hoffen, er hilft bei der (verantwortungsbewussten) Einführung des neuen Betriebssytems.

Herzliche Grüße
Andreas Beutgen, HRZ

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Begriffserklärungen: OEM/SB, COA-Label

  • OEM: "Original Equipment Manufacturer" - ein mit der Hardware verkauftes Windows-Betriebssystem (Sollte unbedingt konkret mit auf der Rechnung stehen, idealerweise mit Aktivierungs-Schlüssel (kein: "Windows Betriebssystem", sondern: "Windows 10 Prof. 64 bit, Downgrade auf Win 8.1 Prof. enthalten, Aktivierungs-Schlüssel: XXXX-XXXXX-XXXXX-XXXXX-XXXXX") und nein, wir kennen keinen Händler der das so ausführlich macht - aber fragen Sie danach. Je öfter, desto besser!
  • SB: "Systembuilder" - ein "freies" Windows-Betriebssystem, das einem Rechner auch nachträglich  (aber vor der ersten Installation von Windows!) zugewiesen werden kann/muss, wenn kein OEM nachweisbar ist. Nach der Zuweisung sind die neueren Betriebssystemversionen an die Hardware (Mainboard!) gebunden. Das oft zitierte Urteil zur Übertragbarkeit gilt nur für das damalige Windows. Heute gilt es nicht mehr (s. Nutzungsbedingungen des jeweiligen Produktes/Rahmenvertrags!)
  • COA-Label: "Certificate of Authenticity) - ein Aufkleber, der auf dem Gehäuse angebracht ist (OEM) / werden soll (SB), der die Echtheit des installierten Betriebssystems bestätigen soll. Letztlich dient dieser Aufkleber (und formell NUR DER) als Lizenznachweis. Eine Rechnung KANN den Kauf des Betriebssystems plausibel machen, muss aber nicht akzeptiert werden. Weitere Erklärungen und Beispiele unter https://www.microsoft.com/oem/de/licensing/antipiracy/Pages/COA_hologram.aspx)




 

 

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